Aids Selbsttest

HIV-Test für zu Hause

In Österreich leben geschätzt 8.000 bis 9.000 Menschen mit HIV / Aids. Täglich werden ein bis zwei Neudiagnosen gestellt. Allerdings klaffen der Zeitpunkt der Infektion und jener der Diagnose meist weit auseinander: Viele Betroffene erhalten die Diagnose erst, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Dieser Umstand wirkt sich nachteilig sowohl auf die Behandlung als auch auf die Lebenssituation der Betroffenen aus. Eine frühzeitige Diagnose verbunden mit einer rasch eingeleiteten Behandlung ist für den Therapieerfolg und die Lebensqualität der Betroffenen von großer Bedeutung.

Ab sofort sind HIV-Selbsttests rezeptfrei in den österreichischen Apotheken erhältlich. Der Test bietet die Möglichkeit, seinen eigenen HIV-Status unkompliziert und schnell zu bestimmen. Eine frühzeitige Diagnose wirkt sich positiv auf Therapieerfolg und Lebensqualität der Betroffenen aus.

1. WARUM EINEN HIV-TEST MACHEN?

Ein HIV-Test ist die einzige Möglichkeit herauszufinden, ob man mit HIV infiziert ist.

Im Falle eines positiven Resultats ermöglicht die Diagnose einen raschen Therapiebeginn. Dies ist vor allem aus zwei Gründen wichtig: Je früher die HIV Infektion diagnostiziert und behandelt wird, desto eher gleicht sich die Lebenserwartung an diejenige HIV-negativer Personen an und desto früher wird das Risiko einer weiteren Übertragung verringert.

Im Falle eines negativen Resultats kann bei Berücksichtigung des diagnostischen Fensters (Zeitraum zwischen der Infektion und deren Nachweisbarkeit durch einen Test) eine HIV-Infektion mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden. Es ist zu beachten, dass das diagnostische Fenster von der Testmethode abhängt.

2. WER SOLLTE EINEN HIV-TEST MACHEN UND WIE OFT?

Jede Person, die sich einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt hat (ungeschützter analer, vaginaler oder oraler Verkehr mit Personen mit unbekanntem oder positivem HIV-Status, gemeinsame Benützung von Drogenbesteck), sollte getestet werden.

Auch in monogamen Beziehungen ist es empfehlenswert, den eigenen HIV-Status bzw. den HIV-Status des Partners zu kennen.

Gewisse Personengruppen sind einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt, diese sollten sich regelmäßig testen lassen: Männer die Sex mit Männern haben (MSM), Personen die häufig den Geschlechtspartner wechseln, regelmäßiger Gebrauch von intravenösen Drogen, Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen, Partner von HIV-positiven Personen, Herkunft aus Gebieten mit hoher HIV-Prävalenz.

Bei Diagnose einer Geschlechtskrankheit, Hepatitis B oder C oder Tuberkulose bzw. bei Symptomen, die auf eine HIV-Infektion hinweisen, ist auch ein HIV-Test durchzuführen.

3. WELCHE VERSCHIEDENEN HIV-TESTS GIBT ES?

ELISA-Test der 4. Generation: Dieser Test, der in Labors durchgeführt wird, weist Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 nach sowie das p24-Antigen des HI-Virus. Der Antigennachweis ermöglicht ein verkürztes diagnostisches Fenster, welches bei dieser Art von Test bis zu 6 Wochen betragen kann. Ein positives Testergebnis wird durch einen sogenannten Western-Blot Test, bei dem spezifische HIV-Antikörper nachgewiesen werden, bestätigt.

HIV-Schnelltests: Dies sind HIV-Tests mit einfachem Aufbau und leichter Ablesbarkeit, welche ein Testergebnis innerhalb von 30 Minuten liefern können. Diese Tests können von geschultem Gesundheitspersonal oder Laien, im Falle von HIV-Selbsttests, durchgeführt werden. Mittlerweile gibt es neben Schnelltests der 3. Generation, welche nur HIV-Antikörper nachweisen, auch Schnelltests der 4. Generation, welche zusätzlich das p24-Antigen detektieren können. Das diagnostische Fenster beträgt bei der 3. Generation bis zu 12 Wochen und bei der 4. Generation bis zu 6 Wochen. Ein positiver Test muss durch einen Western-Blot Test bestätigt werden.

Ein Nachweis des HI-Virus mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist auch möglich, jedoch relativ teuer. Hier wird, ähnlich wie beim p24-Antigennachweis, das Virus selbst direkt nachgewiesen. Dieses Verfahren weist im Gegensatz zum ELISA-Verfahren ein kürzeres diagnostisches Fenster auf, da bereits 15 Tage nach einem Risikokontakt eine Aussage über eine mögliche HIV-Infektion gemacht werden kann.

In jedem Fall muss immer eine erste positiv getestete Probe durch eine weitere, unabhängig abgenommene Probe bestätigt werden.

4. WAS SIND HIV-SELBSTTESTS UND WIE FUNKTIONIEREN SIE?

HIV-Selbsttests (oder auch HIV-Heimtests) sind HIV-Schnelltests für Blut- oder Speichelproben, die speziell für die Laienanwendung zu Hause konzipiert wurden. Die Durchführung, Ablesung und Interpretation erfolgt durch die betroffene Person selbst. Mit einem Ergebnis kann innerhalb von 30 Minuten gerechnet werden. Derzeit detektieren die auf dem Markt befindlichen HIV- Selbsttests nur Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2, nicht jedoch das p24-Antigen (HIV-Schnelltests der 3. Generation). Das diagnostische Fenster wird mit 12 Wochen angegeben. Jeder positive Test muss durch einen spezifischen Labortest (ELISA, Western-Blot) bestätigt werden.

Seit dem 1.6.2018 dürfen in Österreich CE-zertifizierte HIV-Tests zur Eigenanwendung durch Laien in der häuslichen Umgebung durch öffentliche Apotheken abgegeben werden. Im Rahmen der Abgabe ist insbesondere über die möglichen Testergebnisse und deren Folgen, Bedeutung und Tragweite sowie über das diagnostische Fenster bei einem negativen Testergebnis aufzuklären.

Vor der Anwendung des Tests sollte die Packungsbeilage genau durchgelesen werden. Diese enthält eine detaillierte Anleitung zur Durchführung, Ablesung, Interpretation und weitere Empfehlungen.

5. WIE SICHER IST DAS ERGEBNIS EINES HIV-SELBSTTESTS?

Kein Schnelltest liefert ein zu 100% korrektes Ergebnis. Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass bei Berücksichtigung des diagnostischen Fensters ein negatives Ergebnis bedeutet, dass keine Infektion mit HIV vorliegt. Die Genauigkeit der Tests ist darauf ausgelegt, das Übersehen einer Infektion in jedem Fall zu verhindern. Ein positiver Test muss jedoch unter allen Umständen durch weiterführende Tests in spezialisierten Labors bestätigt werden. Die betroffene Person ist unbedingt darauf hinzuweisen, sich im Falle eines positiven Tests mit spezialisiertem medizinischem Personal in Verbindung zu setzen.

Die Sensitivität dieser Tests, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass eine HIV-positive Person auch tatsächlich ein positives Testergebnis hat, liegt bei über 99,5%.

Die Spezifität, d.h. die Wahrscheinlichkeit einer nicht infizierten Person ein negatives Testergebnis zu erzielen, liegt bei 99,9%. Wichtig für die Interpretation ist allerdings auch der positive prädiktive Wert (PPW) eines individuellen Testergebnisses. Dieser Wert hängt von der Spezifität der Testmethode und der Häufigkeit des Vorkommens einer Erkrankung bzw. Infektion in einer Bevölkerungsgruppe ab und gibt die Wahrscheinlichkeit an, bei einem positiven Test auch tatsächlich infiziert, bzw. in diesem Fall HIV-Antikörper positiv, zu sein. Bei Zugehörigkeit zu einer wenig betroffenen Bevölkerungsgruppe kann die Wahrscheinlichkeit, dass ein positives Testergebnis eine HIV-Infektion korrekt anzeigt, bei unter 50% liegen. Dieser Wert ist umso höher, je weiter verbreitet die Infektion bzw. Erkrankung in einer Bevölkerungsgruppe ist.

Es wird erneut auf das diagnostische Fenster hingewiesen: Bei den derzeit auf dem Markt befindlichen HIV- Selbsttests wird diese Periode mit 12 Wochen angegeben. In dieser Zeitperiode nach möglicher Exposition und Infektion kann der Test trotz stattgehabter Infektion möglicherweise negativ ausfallen, da der Körper noch nicht ausreichend nachweisbare Antikörper produziert hat (erste Antikörper können sich manchmal schon nach 4 Wochen nachweisen lassen). Wenn bei negativem Testergebnis in dieser Periode eine weitere Risikosituation stattgefunden hat, ist der HIV-Selbsttest mindestens 12 Wochen nach Risikokontakt zu wiederholen, um ein verlässliches Ergebnis zu erzielen.

6. WAS BEDEUTET EIN POSITIVES ERGEBNIS DES HIV- SELBSTTESTS?

Ein positives Ergebnis bedeutet zunächst noch nicht, dass die Person tatsächlich mit HIV infiziert ist. Diese Diagnose wird erst dann gestellt, wenn im Labor durchgeführte Bestätigungstests ebenfalls positiv ausfallen (ELISA, Western-Blot).

Es ist wichtig sicherzustellen, dass Personen mit einem positiven Testergebnis wissen, an welche Stellen sie sich für weitere medizinische Abklärung und Beratung wenden können: Es muss ein Labortest in spezialisierten HIV-Behandlungszentren oder bei niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden (https://www.aidsgesellschaft.info/partner/behandlungszentren.htm). Die Aids-Hilfen bieten kostenlose, anonyme Labortests und Beratung an (https://www.aidshilfen.at/aidshilfen) und haben eine Hotline speziell für Beratung im Zusammenhang mit HIV-Selbsttests eingerichtet.

7. WAS BEDEUTET EIN NICHT EINDEUTIGES ERGEBNIS DES HIV- SELBSTTESTS?

Ein nicht eindeutiges Testergebnis kann unter anderem durch Kontamination, falsche Handhabung oder falsche Lagerung des Tests hervorgerufen werden.

Bei Vorliegen eines nicht eindeutigen Ergebnisses muss der Test mit einem neuen Testkit wiederholt werden oder ein Test in einem Labor durchgeführt werden.

8. WAS BEDEUTET EIN NEGATIVES ERGEBNIS DES HIV-SELBSTTESTS?

▪ Es konnten weder Antikörper gegen HIV-1 noch HIV-2 im Blut (bzw. im Speichel) nachgewiesen werden.

▪ Ein negatives Testergebnis bedeutet, dass die Person nicht mit HIV infiziert ist, sofern sie sich in den 12 Wochen vor dem Test (diagnostisches Fenster) keinem Infektionsrisiko ausgesetzt hat.

▪ Hat in den letzten 12 Wochen vor Testdurchführung ein Risikokontakt stattgefunden, so kann eine HIV-Infektion vorliegen, die mit vorliegendem Test noch nicht nachgewiesen werden konnte. In diesem Fall kann die Person HIV bei Risikokontakt an andere Personen weitergeben. Es sollte entweder eine Wiederholung des Tests unter Berücksichtigung des diagnostischen Fensters stattfinden oder die Person an spezialisierte Einrichtungen weiterverwiesen werden.

▪ Liegt ein negatives Testergebnis vor, bedeutet dies nicht, dass auf geschützten Geschlechtsverkehr verzichtet werden kann. Die Verwendung von Kondomen stellt einen wesentlichen Schutz nicht nur vor einer HIV-Infektion, sondern auch vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten wie z.B. Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien dar.

9. WORAUF IST NOCH ZU ACHTEN?

Wie lange liegt ein potentieller HIV-Risikokontakt zurück? Wenn sich eine Person innerhalb der letzten 72 Stunden einem substanziellen Ansteckungsrisiko (z.B. gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern/Transgender, Sex mit HIV positiver Person deren Therapiestatus/Viruslast nicht bekannt ist) ausgesetzt hat, so sollte auf die Möglichkeit einer Postexpositionsprophylaxe hingewiesen werden und auf die entsprechenden Stellen verwiesen werden (https://www.aidsgesellschaft.info/partner/behandlungszentren.htm).

Befindet sich die Person zeitlich in der Phase des diagnostischen Fensters? Das ist die Zeit zwischen einem Kontakt mit Infektionsrisiko und der Zeit, ab der ein Test im Stande ist HIV nachzuweisen. Im Falle der derzeit am Markt befindlichen HIV-Selbsttests wird das diagnostische Fenster mit 12 Wochen angegeben.

Ist die Person über HIV-Test- und Beratungsangebote informiert?

Ist die Person darüber informiert, wohin sie sich im Falle eines positiven Testergebnisses wenden kann?

Besteht das Risiko einer Infektion mit Geschlechtskrankheiten, Hepatitis B oder C? Diese Krankheiten können durch den HIV-Selbsttest nicht erfasst werden und bedürfen Kontakt zu medizinischen Einrichtungen, um eine mögliche Infektion abklären zu lassen.

10. WOFÜR IST DER HIV-SELBSTTEST NICHT DA?

Der Test ist nicht für eine rasche Abklärung nach Risikokontakt geeignet. Die Bildung von nachweisbaren Antikörpern kann bis zu 12 Wochen dauern, ein negatives Testergebnis ist somit erst nach dieser Periode aussagekräftig.

Der Test ersetzt nicht die Verwendung von Kondomen und ist daher nicht als Entscheidungshilfe geeignet, ob beim Geschlechtsverkehr ein Kondom verwendet werden soll oder nicht.

Der Test kann nur HIV Antikörper nachweisen und ist nicht geeignet eine Infektion mit Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien zu detektieren.

Werden Medikamente zur Prävention einer HIV-Infektion eingenommen (sog. Prä-Expositionsprophylaxe/PrEP), so kann es zu verfälschten Ergebnissen kommen. Personen, die regelmäßig von einer PrEP Gebrauch machen, sollten von einer spezialisierten Einrichtung betreut werden.