Ernährung/Leber und Galle

Diät bei Erkrankungen von Leber und Galle

Die Leber ist die chemische Fabrik des menschlichen Körpers und gleichzeitig seine Kläranlage. Normalerweise funktioniert sie klaglos, wird sie jedoch überbelastet, zum Beispiel durch Alkohol oder andere Gifte oder von Krankheiten befallen, so kann sie ihre umfangreiche Funktion der Entgiftung des Körpers nicht oder nur mehr teilweise nachkommen.

Die Galle im Sinne des Wortes hat zweierlei Bedeutung: Einmal die von der Leber produzierte Gallenflüssigkeit, die als Verdauungssaft im Darm Verwendung findet und zum anderen die als Galle im Volksmund bezeichnete Gallenblase.

Die Gallenblase kann ebenfalls erkranken. Schmerzhafte Entzündungen, Gallensteine oder Veränderungen der Gallenwände können die Gallenblase, die zu Speicherung der Gallenflüssigkeit in Ruhepausen dient, funktionsuntüchtig machen.

Leicht verständlich, dass falsche Ernährung diesen beiden Organen, die ja unmittelbar mit der Verdauung zu tun haben, arg zusetzen kann. Im Krankheitsfall kann eine richtige Leber- oder Gallendiät diese Organe entlasten und möglicherweise sogar zur Heilung beitragen.

Ernährungstipps: Leber

Waren sich bis vor einigen Jahren die Mediziner darin einig, dass fett- und eiweißarme, sogenannte Leberschonkost bei allen Erkrankungen der Leber angebracht sei, so weiß man heute, dass bei der Mehrzahl der Lebererkrankungen eine leichte Vollkost, die alle Nahrungsmittelbestandteile enthält, besser ist. Bei schweren Lebererkrankungen, wie Leberzirrhose, konnte sogar durch eine relativ fettreiche Diät eine Verbesserung der Leberwerte und des Allgemeinbefindens erreicht werden. Es darf jedoch nur eine vom Arzt festgelegte Diät angewendet werden.

Auf alle Fälle verboten ist Alkohol, da dieser für die Leber Gift ist.

Zum Unterschied von der Normalkost werden bei der leichten Vollkost nur Lebensmittel verwendet, die beim Durchschnitt der Bevölkerung nur wenig Unverträglichkeiten verursachen. Man muss jedoch bedenken, dass Leberkranke besonders ängstlich „nach innen hören“ und leichte Blähungen oder ein Druckgefühl im Magen, das auch der Lebergesunde oft nach dem Essen spürt, bereits als Unverträglichkeit empfinden.

Nahrungsmittel, die reich an Ballaststoffen sind, blähen auch zumeist stark. Da die Leber auch den Gasaustausch aus dem Darm bewerkstelligen muss, wird dies von Leberkranken als besonders unangenehm empfunden.

Als Faustregel für die Zusammensetzung einer leichten Schonkost für Leberkrankheit gilt:

10% Eiweiß und zwar vor allem aus Pflanzen sowie aus Milch und Milchprodukten.
35% Fett vor allem hochwertige Fette wie Pflanzenöle, Fische
55% Kohlehydrate aus Kartoffeln, Brot, Müsli
keine „leeren Kalorien“ wie Zucker oder Gebäck

Selbstverständlich dürfen die Speisen nicht zu stark gewürzt, gebraten oder gegrillt sein. Ein wenig Geschmack schadet aber nicht.
Wichtig ist auch ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen: Fruchtsäfte und Obst eignen sich dazu besonders gut. Manchmal ist es notwendig, zusätzliche Vitamine zu sich zu nehmen. Vitaminpräparate gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen in Apotheken.

Bei alkoholischer oder ernährungsbedingter Fettleber müssen an erster Stelle Maßnahmen zur Gewichtsreduktion stehen. Mit dem Übergewicht verliert sich auch meist die Fettleber.

Ernährungstipps: Galle

Bei Erkrankungen der Galle ist wie auch bei Lebererkrankungen die leichte Vollkost die beste Form der Ernährung.

Zur Verhinderung von Gallensteinen soll sich ein höherer Ballaststoffanteil in der Nahrung günstig auswirken. Ballaststoffe, wie sie in Gemüse, in Weizen- oder Haferkleie und im Vollkornbrot reichlich vorhanden sind, senken den Cholesterinspiegel des Blutes und damit auch die Gefahr der Bildung von Gallensteinen. Denn Gallensteine bestehen sehr häufig aus Cholesterin.

Beim akutem Gallenanfall verträgt der Patient meist auch die leichte Vollkost nicht. In diesen Fällen muss man einige Tage lang versuchen, mit Teefasten, Haferschleim, Karottenbrei über die Runden zu kommen. Recht gut eignet sich dafür Babynahrung in Gläsern. Dauert dieser Zustand länger an, muss neben ärztlicher Behandlung versucht werden, mit sogenannter „Astronautennahrung“, einer ausgewogenen Formeldiät, dem Patienten die wichtigsten Nährstoffe und lebenswichtige Energie zuzuführen, ohne den Verdauungsapparat zu strapazieren.

Diese hochkalorische Formeldiät bekommt man in verschiedenen Geschmacksrichtungen in Apotheken.

Abschließend noch ein Tipp:

Personen mit Leber- und Gallenkrankheiten wurden und werden dazu erzogen, ganz besonders vorsichtig, ja übervorsichtig beim Essen zu sein. Es steigt die Angst „etwas Falsches zu essen“, sodass über einen Reflex des Unterbewusstseins manches nicht vertragen wird, obwohl Leber oder Galle nichts dagegen hätten. Deshalb: etwas phantasie- und abwechslungsreichere Speisen bringen mehr Lebensfreude.